8 Bienale

 

 



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Kunst als öffentliche Irritation Im Rahmen der 8. Biennale auf Kuba fand das erste internationale Performance-Event "DIP" statt. Künstler aus der ganzen Welt realisierten dafür ihre Arbeiten im öffentlichen Raum. Zum ersten Mal sind bei dem lateinamerikanischen Kunst-Event auch deutsche TeilnehmerInnen dabei. Die eingeladene Künstlerin Monika Ortmann aus Bochum berichtet von ihren Eindrücken.

Havanna, November 2003. Heiß ist es auf Kuba, anders als im bereits ziemlich winterlichen Deutschland. Die Kunststiftung NRW hat meine Teilnahme an der 8. Biennale in Havanna in letzter Minute möglich gemacht und so stehe ich endlich auf dem Platz der Kathedrale. Meine Insta1lation, ein 10 Meter langes rotes Kleid mit dem Bogen der GOttin Artemis als Kleiderbügel, liegt immer noch eingepackt in einer grünen Tasche am Straßenrand. In Havanna wird es zum ersten Mal nicht in einem Museum oder Galerie hängen. Es hängt draußen, mitten auf der Strasse.

Die Künstlerin Heidi Garcia kommt vorbei, sie wird mir helfen das Kleid am Balkon einer Privatwohnung über der Galerie zu befestigen. Die Kubanerin hat gerade ihr öffentliches Badezimmer an den Malecon installiert. Langsam kommen neugierige Passanten, schauen was wir da treiben. Darunter auch die Band, die hier auf dem Platz jeden Tag musiziert und dabei ihre Liedtexte spontan auf das vorüberziehende Leben verändern. Der Aufbau mit Nylonschnüren ist nicht sonderlich schwierig, die Wohnungsinhaber, an dessen Balkon das Kleid hängen wird, sind karibisch freundlich, einen Kaffee haben wir auch sofort bekommen.

Auf dem Platz der Kathedrale spielt die Band bereits ein neues Lied: Monika kommt aus Allemania, um ihr großes rotes Kleid hier an den Bogen zu hän~ es fließt in unser Leben., "disch...disch" -ein breites Grinsen auf den Gesichtern der Musiker. Sie werden diesen neuen Song immer spielen, wenn ich vorbeikomme und nach meiner Installation schaue. Sie haben darin meine Kunstaktion beschrieben und auch den Titel dieser Biennale. Er lautet: Kunst im Leben. Überall in der Stadt werden bis Mitte Dezember Arbeiten gezeigt. Die Biennale-Künstler kommen aus der ganzen Welt. Zum ersten Mal findet auch das Internationale Perfonnance und Happening-Event im öffentlichen Raum statt. Eingeladen hat das Department of Public Intervention (DIP), der Kurator heißt Ruslan Torres.

Die Künstler aus Kuba, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Irland, Mexiko und zum ersten Mal auch aus Deutschland realisieren ihre Arbeiten an verschiedenen Orten mitten in der Stadt: bei Performances und Happenings wird der Beobachter zum aktiven Zuschauer einer künstlichen Situation und gleichzeitig zum Akteur, in den, von diesen Aktionen gedrehten, Videoclips. In diesen Filmen entsteht eine fremde Realität; die symbolische Handlungen werden visuell reflektiert. Kunst mischt sich in das Alltägliche ein. Lebensraum wird zum Laboratorium. Experimente lassen Fiktionen entstehen. Brasilianische Künstler sperren Strassen und leiten die Passanten um. Jay Wilson aus Kanada irritiert durch "singing somewhere" und Vanessa O'Reilly aus Irland lässt in Privatwohnungen Springbrunnen plätschern. Dazu lädt sie Gäste ein. Draußen überziehen Kubanische Künstler einen Panzer mit weißen Lappen. Überall brodelt die Kunst. Verfolgt man auf dem Stadtplan die Route aller Veranstaltungen, so überzieht ein flächendeckendes Netz das gesamte Stadtgebiet.

Mein Kleid hängt nun mitten auf dem Platz der Kathedrale. An dem Bogen der Artemis als Kleiderbügel. Ein netter Straßenkehrer hat vorher, ihm war das unheimlich wichtig, noch den ganzen Platz gefegt. Bei meinen öffentlichen Aktionen mit dem Stempelkasten und den Kartonagen vom Bauernmarkt entsteht für jeden Ort ein anderes Wortbildsystem. Die bebilderten Kartonagen ,ziehen sich wie Fußabdrücke über Wände, Böden und Decken. So entsteht eine Psychografie von Räumen, in denen Individuen ihre Subjektivität sichern. Immer sind die dokumentarischen Kameras dabei. Gezeigt werden die entstandenen Filme als Videoinstallationen in weißen Räumen, den sogenannten Departments of Public Intervention im Centro Wifredo Lam, im Pavilion de Cuba und im Instituto Superior Artes. Auch die haben wir Tage zuvor in den Ateliers der ISA zusammengebaut und dann mühevoll selbst aufgestellt. Eine dieser begehbaren Kisten hängt im Gerüst vom Pavillon de Kuba und ist nur auf abenteuerliche Wegen zu erreichen.

Die Band vom Platz der Kathedrale macht wieder neue Lieder. Die Strophen handeln jetzt von meiner Stempelaktion, in der ich mir von Passanten Wörter auf Karten stempeln lasse. Polizisten haben alles kontrolliert, konnten aber nichts finden, denn es wurden nur positive Aussagen gemacht. Während des SpurenIegens mit den Kartonagen endet die Kunstaktion und das Lied klingt leise aus.

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