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Orlando, ein furchterregenderTod

Bis zum 23. Februar dieses Jahres schien es, die Inhaftierung der 75 Personen des Schwarzen Frühling sei einer der letzten Fehler Castros gewesen. Der Tod von Orlando  Zapata Tamayo, einem der bürgerlichen Kämpfer, der sich in den Fallen der Repressionswelle der Diktatur verfangen hatte, zeigt, dass sich die Ereignisse von vor fast sieben Jahren immer noch gegen das Regime auswirken, das sie ausgebrütet hatte.

Es genügte ihnen nicht, Orlando sterben zu lassen, ohne dass sie ihm den winzigen Trost gewährten, seine letzten Tage unter seinen Angehörigen zu verbringen. Die Diktatur hat ihren Mob auf die Straße geschickt, zur Unterdrückung der angebrachten Solidaritäts- und Achtungsbekundungen der übrigen Kubaner angesichts des Mutes und der Widerstandskraft eines Mannes, der die Größe hatte, der mächtigsten und langlebigsten Diktatur-Regierung die Stirn zu bieten, die Kuba je hatte. Viele unabhängige Kubaner wurden verhaftet, andere wurden bedroht, und die Polizeikräfte waren den ganzen 24. Februar ununterbrochen im Einsatz.

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Foto: Orlando Luis

Durch einen seltsamen Zufall war dieser  24. Februar 2010, ein wichtiger Gedenktag für die Kubaner, von Angst gekennzeichnet. Nicht von der Angst der anständigen, freien Bürger, die sich in das Kondolenzbuch eintragen wollten, das bei der Dama de Blanco Laura Pollán auslag, oder von der Angst derer, die Blumen ins Meer warfen zum Gedenken an die Hermanos al Rescate, die beim Abschuss ihrer Flugzeuge gestorben sind, einer weiteren "glorreichen" Aktion von Castro und seinen Spionen, und auch nicht von der Angst derer, die Orlando die letzte Ehre erwiesen. Spürbar ist jetzt die Angst des Regimes und seiner Söldner. Sie verstehen nichts von der Kraft der Scham, die Kraft des Anstands ist ihnen fremd, und nicht im Entferntesten können sie verstehen, dass die Freiheit ein angeborenes Gut ist, das man in sich trägt und das - darum - nicht mit Gefängnisgittern vernichtet werden kann. Die 75 des Schwarzen Frühling, Orlando Zapata, die Gewissensgefangenen und wir, alle Unfolgsamen sind frei.

Das kubanische Regime dagegen ist heute der wahre Gefangene: eingesperrt in genau die Logik von Repression und Gewalt, die es selbst erzeugt, Opfer genau des Systems, das es selbst geschaffen hat, unfähig, etwas anderes zu bewirken als  Hass und Angst. Jetzt zeigt es schamlos jene Facetten und versucht, durch Terror das zu bewahren, was ihm wirklich wichtig ist: die Macht. Bloß – viele Kubaner verlieren allmählich die Angst.

Orlando Zapata Tamayos Opfer bedeutet auch etwas Einzigartiges, das Hoffnung macht: er ist gestorben, aber Kuba beginnt zu erwachen. Früher unzusammenhängende kleine Nischen der Zivilgesellschaft, der Opposition, die freien Journalisten, die Kirche und immer größere soziale Gruppen an den entferntesten Orten unserer Insel haben begonnen, sich zu vernetzen. Eher früher als später wird sich die Wirklichkeit verändern: jetzt ist nicht die Zeit der Diktatoren.

Der kubanische präsident (absichtlich klein geschrieben) Raúl, der Graue, der ewige Zweite, hat gegenüber der Auslandspresse eine Erklärung abgegeben, wonach er den Tod Orlandos bedauert. Selbstverständlich ist das nicht aufrichtig, aber dieses Mal glaube ich ihm: er hat mehr als genug Gründe, diesen und andere Tode zu beklagen.

Miriam Celaya, La Habana  27. Feb. 2009

Übersetzung: Heidrun Wessel

Artikel aus http://www.desdecuba.com/sin_evasion/