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Von Pablo Alfonso

 

 



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Die schlechten Nachrichten   

Die Kubaner erfuhren in dieser Woche, dass sie mehr Öl verbraucht hatten als ihnen zustand. Das sagte Julio Vázquez, Vizeminister für Wirtschaft und Planung der kubanischen Presse. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden 40.000 Tonnen Rohöl zuviel für die Stromerzeugung verbraucht.

Sie erfuhren auch, dass die landwirtschaftliche Produktion im ersten  Vierteljahr 2009 im Vergleich zur gleichen Vorjahresperiode um 7,3% gesunken war. Das berichtete das Nationale Statistikbüro ONE, und konkretisierte, dass die Produktion von Taroknolen, Süßkartoffeln, Kartoffeln und Bananen um 18,2% fiel.

In dem Vierteljahr wurden 433.000 Schweine geschlachtet, 33% weniger als im gleichen Zeitraum 2008. Auch die Produktion von Geflügelfleisch fiel auf 2.333 Tonnen, 28% weniger, während die Eierproduktion um 4% auf 485 Millionen Einheiten sank.

Der Vizepräsident José Ramón Machado Ventura hatte den Auftrag, die schlechten Nachrichten über Nickel zu verkünden, dem hauptsächlichen Devisenbringer Kubas. "Der Nickelpreis fiel von 50.000 $ je Tonne auf 10.000 - 9.000 ($) und bei 9.000 ($) ist er nicht Kosten deckend," bemerkte Machado Ventura während eines Besuchs der Provinz Granma.

Lt. Tourismusminister Manuel Marrero ist der Besuch von Touristen im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2% gestiegen, aber jetzt räumt er ein, dass Ende April die Zahl für die ersten vier Monate 2009 nur bei 1,9% lag.  

Zentralbankpräsident Francisco Soberón schloss sich den schlechten Vierteljahres-Nachrichten an und verkündete das Ungleichgewicht im Außenhandel. Die Importe lagen bei 78% und die Exporte bei 22%.

Die Geldsendungen aus dem Ausland (Remesas) von kubanoamerikanischen Familienangehörigen aus den USA fließen nicht so stark wie Havanna angenommen hatte. Obwohl der Präsident Barack Obama die Reise- und Zahlungsbeschränkungen aufgehoben hat, kommen nicht so viele Dollars wie erwartet in Kuba an.

Eduardo Bencomo, Präsident der mächtigen staatlichen Gesellschaft CIMEX räumte am Donnerstag ein, dass der Entschluss von Obama "noch keine Wirkung zeigt, weil nämlich diese Maßnahmen technische Voraussetzungen erfordern", bevor sie in die Praxis umgesetzt werden.

Irrtum von Bencomo oder Desinformation? Die Voraussetzungen sind bereits geschaffen. Das Problem ist ein anderes. Die weltweite Wirtschaftskrise, die die USA beeinträchtigt und damit die Kubanoamerikaner, die nicht über genügend Geld verfügen, um ihre Angehörigen in Kuba zu unterstützen.

Nach Bencomo erhielt Kuba im Jahr 2008 Geldüberweisungen von ausländischen Familienangehörigen (Remesas) zwischen 300 und 400 Millionen über Cubapack von der CIMEX-Gruppe, die mit Western Union zusammenarbeitet. Obwohl die Gesamtmenge der Remesas schwer benannt werden kann, weil "eine beachtliche Menge" des Geldes über informelle Kanäle nach Kuba gelangt, erklärte Bencomo, dass die Geldeingänge in 2009 bis jetzt niedriger sind als in den Vorjahren. Er sagte nicht, wie viel Geld eingegangen ist, aber er unterstrich: " Wenn das so weitergeht wie bis heute, dann wird es weniger sein".

Der Mangel an Devisen, an Geldmitteln, die Finanzkrise – wie sie von Fachleuten genannt wird – hat Kuba gezwungen, die Zahlungen an zahlreiche ausländische Unternehmen und Handelspartner auszusetzen. Das räumte Bencomo während einer Pressekonferenz ein, wo er versprach, dass die Rechnungen eventuell beglichen werden.

"Unser Wille ist es, weiterhin zu bezahlen, wir werden weiterhin bezahlen, das Land wird weiterhin bezahlen. Ohne Zweifel werden sich einige Dinge verzögern", versicherte er.

Abgesehen von guten Vorsätzen startete das offizielle Organ der Kommunistischen Partei Kubas ein Ideologie-Offensive, um die Bevölkerung für die bevorstehenden Zeiten zu sensibilisieren. Granma hat mehrere Leitartikel der Andeutung gewidmet, dass es wieder zu Stromausfällen kommen könne und dass sich in den nächsten Monaten die Wirtschaftslage verschlechtern wird.

Am Freitag stand in einem vom Chefredakteur unterschriebenen Leitartikel, dass "das anstehende Problem so schwerwiegend und von solcher Art ist, dass man dort, wo wir politisch sagten "Patria o Muerte" (Vaterland oder Tod), ohne jegliche Übertreibung heute in wirtschaftlicher Hinsicht sagen könnte: "Sparen oder Tod".

"Wir Kubaner mögen Sprichwörter, um eine bestimmte Situation zu umschreiben. Und so heißt es bei dieser: "Man muss seine Hosen festbinden", und es ist unmöglich, diesem Kampf mit Passivität zu begegnen", schließt der Leitartikel.

Diese Situation sah man kommen. Zumindest für uns, die wir das, was in Kuba geschieht, aus der Nähe verfolgen, ist die jetzt von Havanna verkündete Krise keine Überraschung.

Ohne Arroganz gesagt, haben wir das in einer Kolumne vom zweiten Mai und mit dem Titel "Ein Gespenst geht um in Kuba" an dieser Stelle erklärt. Es handelt sich nicht um Vorhersagen oder Wahrsagerei. Es ist nur eine Frage der Realität. Das sind schlechte Nachrichten für alle.


Pablo Alfonso 23.05.09
Übersetzung:
Heidrun Wessel

Artikel aus Diario Las Américas