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„ENCUESTA PARA UNA HISTORIA”

„BEFRAGUNG ZU EINER GESCHICHTE”

Beim zweiten Werk des Autors Evelio R. Mora handelt es sich um einen Kurzroman. Auf etwas über 200 Seiten gelingt es dem Schriftsteller, ausgehend von zwei Erzählzeiten, ein formidables Drama auf die Beine zu stellen. Der Roman beginnt in den 50er Jahren auf dem Geburtstagsfest von Alfonsina, der ältesten Tochter des Ortshäuptlings Mauricio Castellón, … Mustersohn, Mustervater und Mustergatte …, Freund seiner Freunde, bekennender Katholik und praktizierender Heterosexueller. Auf dem Höhepunkt der Feier stirbt Mauricio unter den bestürzten Blicken der geladenen Gäste, niedergestreckt von der Wirkung eines unbekannten Giftes. Die Aufklärung des Verbrechens bleibt inmitten des erstickenden Alltages und der gewohnten Routine eines Dorfes, welches des Lebens müde ist, unvollendet. Dreiunddreißig Jahre später kommt der Enkel des Verstorbenen, ein Journalist und Schriftsteller, aus der Hauptstadt und versucht den Verhau der Tragödie zu entwirren.

Unter großen Anstrengungen und unter zu Hilfenahme gar nicht orthodoxer Methoden erreicht er es, dass die Hauptbeteiligten ihm ihre Version der Ereignisse erzählen, so wie jeder einzelne von ihnen jenen unseligen Nachmittag in Erinnerung hat.

Im Grunde genommen handelt es sich um die gleiche, mehrfach erzählte Geschichte; durch María Fernanda, die erniedrigte und zurückgesetzte Gattin, durch Pilar, die     Adoptivtochter, die den Inzest nicht ertragen konnte; durch Toto, einen zerbrechlichen kleinen Mann mit der Seele einer Frau; durch Pater Cervando, den verratenen Freund, der geradeheraus und bissig, einen Kenntnisreichtum zeigt, den er schon über lange Zeiträume hinweg bewiesen hat; und durch Felipa, die höchstliebende Mutter, die alles gesehen und alles vergeben hat.

Nach und nach, Seite für Seite, stirbt allmählich die Legende und der Mythos eines Mannes, der von einem ganzen Dorf öffentlich geliebt und heimlich verachtet wurde. Der Autor verknüpft die Einzelheiten des Erzählstranges mit solcher Präzision, dass keine losen Enden übrig bleiben, und am Ende lösen sich alle Nebenstränge mit großer Kunstfertigkeit auf. Stellenweise werden wir an einen Kriminalroman erinnert, weil der Autor mit den Mitteln diese Genres kokettiert, aber er selbst führt uns wieder davon weg, indem er uns die Geschichte schon zu Anfang präsentiert, um keinen Platz für Mutmaßungen zu lassen, dann enthüllt er uns, aus dem Mund der jeweiligen Figuren, in Ichform die Wahrheit, indem er diese in alle Einzelheiten zerlegt. Der Lauf der Erzählung enthält sich nicht der äußerst persönlichen Kommentare über die aktuelle Realität des Landes, seine enormen wirtschaftlichen Probleme und über Politiker, die auf einen kleinen Ort in der Provinz beschränkt sind, der von Gott und der Welt vergessen ist.