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Kuba-Reisenotizen (3. bis 17. November 2014)

Lt. Wikinger-Prospekt gilt derzeit als „inoffizieller Tourismusslogan“: „Besucht das revolutionäre Cuba solange es existiert!“ In diesem Jahr jährt sich die Gründung des sozialistischen Kuba zum 55. Mal – aber davon war nichts zu sehen und zu hören, wohl dagegen vom 500. Jubiläum der ersten spanischen Stadtgründungen auf Kuba durch Diego Velázquez („Auffrischung“ der Innenstädte, viele Veranstaltungen).

 

Beachte: Kuba-Touristen werden mit äußerst unterschiedlichen Eindrücken nach Hause kommen. Die meisten Touristen halten sich fast ausschließlich in All-Inclusive-Hotels auf, die nach 1990 – in der „período especial“ (die für Kuba schwierigste Zeit, laut unserem örtlichen Führer) - in den attraktivsten Küstengebieten errichtet worden sind (führend dabei kanadische und deutsche Reiseunternehmen). Allein auf der Halbinsel Varadero gibt es über 50 Hotels! Am stärksten sind kanadische Touristen (danach folgen deutsche) vertreten, für die Kuba so etwas wie Mallorca für die Deutschen ist. Der Tourismus ist seit einigen Jahren die wichtigste Einnahmequelle des Staates.

 

Geschichte, Politik, Wirtschaft

 

Die Sklaverei wurde offiziell 1880 abgeschafft, wobei sich einzelne Plantagenbesitzer zu diesem Schritt schon vorher entschlossen hatten. Besonders bekannt: Carlos M. de Céspedes, der „Vater des Vaterlandes“, der seine Sklaven nicht nur freigelassen, sondern sie auch für den Kampf gegen die Spanier mobilisiert hat.

Offiziell wird die Unabhängigkeitsbewegung, „die Revolution“, als ein Ganzes betrachtet: zunächst, ab den 1880er Jahren – etwas später mit US-Unterstützung - der Kampf gegen die spanische Herrschaft, dann, ab 1953, die Untergrundbewegung der Brüder Castro (und Che Guevaras) gegen Fulgencio Batista (früher linker Politiker und gewählter Präsident). Dabei werden die drei Etappen 1953: Sturm der Moncada-Kaserne in Santiago, Gründung der linken Sammel-„Bewegung des 26. Juli“ 1955, 1956: Landung der "Granma" bei Niquero, schließlich der Partisanenkampf in der Sierra Maestra 1957/58 unterschieden, der, nach der von Ché geführten Schlacht um Sancta Clara, am 1. Januar 1959 zum Sieg führte – Batista mußte in die Dominikanische Republik fliehen, Castro verkündete in Santiago den Sieg der Revolution. In den folgenden Jahren sind etwa zehn Prozent der Kubaner ausgewandert, darunter fast die gesamt Oberschicht; allein in den USA (v.a. Florida) leben inzwischen etwa zwei Millionen Kubaner. Anzumerken: Während Fidel Castro (zunächst zu 18 Jahren Haft verurteilt) 1954 begnadigt und freigelassen wurde, haben er, sein Bruder und Ché 1959/60 Hunderte frühere Militärangehörige erschießen lassen.

 

In der Folgezeit wurde eine „sozialistische Planwirtschaft“ unter Führung der KP (offizielles Gründungsdatum: 3.10.65) errichtet: entschädigungslose Verstaatlichung, Bodenreform. Castro hat dabei in der Folgezeit guten politischen Spürsinn bewiesen: Die Bauern, die ein Landstück erhalten hatten, duften dies auch in der Folgezeit behalten – so scheinen sie bis heute, trotz großer Armut, eine Stütze des Regimes zu sein (jedenfalls in größerem Umfang als die städtischen Industriearbeiter, wie unsere Reiserleiter meinten). Auch gab es damals eine Alphabetisierungskampagne und wurde in der Folgezeit landesweit für den Bau von Dorfschulen und für eine medizinische Grundversorgung gesorgt.  Kubanische Ärzte haben einen beachtlichen Anteil am Aufbau der Gesundheitssysteme in einigen südamerikanischen Staaten und sind gegenwärtig bei der Bekämpfung der Ebola-Seuche stark vertreten.

 

Die Sechs- bis Vierzehnjährigen besuchen in Pionieruniform die Ganztagsschule (blaue und rote Halstücher). Die Mittelknappheit des Staates hat kürzlich dazu geführt, daß das bislang kostenlose Mittagsessen aller Kinder eingestellt worden ist. In jeder größeren Stadt gibt es mindestens eine Universität; einige Universitäten (wohl v.a. medizinische Fakultät) werden auch von ausländischen Studenten besucht. Die KP-Führung läßt sich offenbar bis heute von der  Losung leiten: „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft!“

 

Fast überall, auch an Landstraßen, finden sich Erinnerungstafeln, Plakate u.ä. mit Abbildungen der „Märtyrer der Revolution“. Vermutlich werden sie von der Bevölkerung kaum noch wahrgenommen. Auffällig ist aber, dass keine der Abbildungen beschmiert oder verunstaltet gewesen ist.

 

Stolz ist man auf die Niederschlagung der exilkubanischen Invasion in der Schweinebucht (17.4.61), während die von Chruschtschow geplante Rolle Kubas als „sowjetischer Raketenträger“ nicht erwähnt wurde. Die damals verhängten und bis heute aufrecht erhaltenen US-Sanktionen gegen Kuba sind für das Land eine schwere Bürde. Noch verhängnisvoller hat sich der Zusammenbruch der Sowjetunion 1990/91 ausgewirkt – die jahrzehntelang gewährten umfangreichen Hilfslieferungen blieben aus. Heute erhält Kuba nur noch von Venezuela wirtschaftliche Unterstützung (v.a. Öllieferungen). Es gibt einige Joint Ventures mit kanadischen Unternehmen, auch scheinen chinesische Investitionen zuzunehmen.

 

Wir haben viele stillgelegte Fabriken (und Bauruinen, wie in Andalusien) gesehen, viele Menschen sind dadurch arbeitslos geworden. Unsere Reiserleiter informierten uns darüber, daß „der Kubaner“ – wegen der minimalen Löhne - möglichst nicht in einem Staatsbetrieb arbeiten möchte. Erhält er dort nur die üblichen knapp 600 Pesos (etwa 30 CUC) -  (das ist auch das Gehalt von Ärzten und Lehrern!), so kann er durch einen Job in der Tourismusbranche (auch als Taxi- oder Rikschafahrer) ein Vielfaches davon verdienen. Jeder Kubaner erhalte eine Libreta, ein „Lebensmittelpaket“ (1959 eingeführt, es handelt sich um Lebensmittelmarken), mit dem er in Einfachstläden Grundnahrungsmittel preisgünstig erhält. Die Zahl der privaten Geschäfte und Restaurants nimmt zu, wobei die Betreiber eine sehr hohe Abgabe an den Staat abführen müssen. Vieles, vor allem von den Bauern, wird „schwarz“ verkauft. Von erheblicher Bedeutung für viele Bereiche von Gesellschaft und Wirtschaft ist der „linke Weg“, gab Brallio wiederholt schmunzelnd zu, wobei es sich vor allem um Bestechungsgelder und dubiose Tauschgeschäfte handelt.

 

Reiseleiter Dirk berichtete, die Regierung habe für das nächste Jahre einige Vorhaben angekündigt: So solle es nur noch eine Währung geben; die Kubaner sollen ihre privat gebauten Häuser und ihre Autos verkaufen dürfen (um z. B. nach den USA auswandern zu können); grundsätzlich soll die Ausreise leichter möglich sein (Verzicht auf die bisher erforderliche Genehmigung). Dirk ist sehr skeptisch, ob diese Maßnahmen zum Tragen kommen werden. Er ist davon überzeugt, dass nach dem Ableben der beiden Castros eine „neue Zeit“ beginnen wird – ausländische Investoren säßen bereits in den Startlöchern.

 

Die Menschen

 

Grundsätzlich festzuhalten: Wir wurden überall, vor allem auf dem Lande,  freundlich begrüßt (wohl oft auch als Anerkenung für unser Fortbewegungsmittel!)! Angemerkt: Ältere Frauen und Männer mit dicken Zigarren im (oft zahnlosen) Mund stellen sich gern – an den von Touristen besuchten Plätzen (v.a. in Santiago) – als Fotoobjekt zur Verfügung, allerdings gegen Bezahlung.

 

Tipp im Wikinger Reiseheft: „Die einheimische Bevölkerung freut sich immer über kleine Mitbringsel wie Stifte, Schulhefte, Seife, Süßigkeiten...“ Diesen Hinweis habe ich nicht so ernst genommen wie andere Mitreisende. Einige hatten enorme Vorräte mitgebracht, die sie dann auch gut loswerden konnten. In Schulen mußten die Geschenke den Lehrern gegeben werden. Kugelschreiber und Kaugummi waren besonders gefragt, bei Erwachsenen auch T-Shirts u.ä. (die anschließend meist verkauft werden, wie Dirk erklärte). Die Wohnverhältnisse sind äußerst bescheiden, oft müssen sich bis zu 6 Personen eine kleine Wohnung teilen. Die Situation wird dadurch gemildert, daß sich  - wenn es nicht regnet - ohnehin ein großer Teil des Tagesgeschehens auf der Straße abspielt. Nach Braulios Worten kennt der Kubaner sein eigenes Land nicht – Tourismus sei bislang so gut wie unbekannt. Selbst er hatte die Städte und Landschaften im Osten des Landes noch nie zuvor besuchen können!

 

Die Kubaner scheinen zu einem großen Teil gläubige Menschen zu sein, wobei sich bei Nachfahren der Ureinwohner (von denen es freilich nicht mehr viele gibt) und Afrokubanern auch Elemente heidnischer Vorstellungen erhalten haben. Die Kirchen haben zunehmend mehr Gottesdienst-Besucher zu verzeichnen, auf den Friedhöfen haben wir nur Gräber mit Kreuzen gesehen. Besonders beeindruckend war der Besuch der zentralen nationalen Wallfahrtskirche El Cobre (mit der „Schwarzen Madonna“, frühere Schutzheilige der Sklaven in den Minen): Ständig kamen festlich gekleidete Menschen , die Blumen und Kerzen für ihre verstorbenen Angehörigen  mitbrachten. Ein Gedenkstein erinnert an den Besuch von Johannes Paul II 1998. Auch evangelische Gemeinschaften (Baptisten...) scheinen im Kommen zu sein. Es ist zu erwarten, dass im Fall eines politischen Umbruchs die katholische Kirche eine ausgleichende, vielleicht sogar führende Rolle übernehmen wird.

 

Kriminalität

 

Kuba hat offiziell eine sehr niedrige Kriminalitätsquote. Aber: ein Fahrrad darf man keine Sekunde unbeobachtet lassen – es ist sofort weg, abschließen hilft nicht! Die Kubaner nehmen ihre Fahrräder mit in ihre Wohnungen. Ein gutes Fahrrad  - wenn es überhaupt zu bekommen ist - kostet ca. 150 CUC, das sind fünf durchschnittliche Monatslöhne! Drogenhandel oder -konsum haben wir nicht bemerkt (auch keine entsprechenden Kontrollen auf den Flughäfen) – auf Drogenhandel steht die Todesstrafe.

 

Verkehrswesen

 

Es gibt kaum noch Inlandsflüge, da nur noch veraltete, unzuverlässige russische Maschinen zur Verfügung stehen – auch deshalb hat z.B. Wikinger auf Bus-/Radtouren umgestellt. Wir haben in den zwei Wochen kein einziges Flugzeug gesehen. Auch das Eisenbahnwesen scheint vor dem Zusammenbruch zu stehen – keinen einzigen fahrenden Zug gesehen! Braulio hat darüber informiert, daß die Züge extrem unsicher sind: Banden – v.a. im Gebiet von Camaguey - rauben nachts die Passagiere aus. So ist das normale Verkehrsmittel inzwischen der Bus geworden – die Touristen werden mit guten chinesischen Bussen befördert, die einheimische Bevölkerung mit älteren Modellen. Interessant ist der „Alternative Transport“: An Straßenkreuzungen stehen uniformieret Personen, die staatliche Fahrzeuge anhalten und sie, wenn sie nicht voll besetzt sind, zur Mitnahme wartender Personen veranlassen.

Der Regelfall im Lokalverkehr sind LKW, Pferdefuhrwerke, Fahrräder – alles meist total überladen. Auch außerhalb der Großstädte sieht man mitunter Uralt-US-Limousinen (40/50er Jahre), Motorräder aus DDR- und CSSR-Produktion. Neuere PKW – meist chinesischer, japanischer oder französischer Produktion - sind sehr selten, in erster Linie handelt es sich dabei um Mietwagen (an der Farbe der Kennzeichen ist zu erkennen, ob es sich um staatliche, private oder Mietwagen handelt). Die meisten Straßen, auch die Autobahn Havanna-Sancti Spiritus – sind in einem sehr schlechten Zustand. Benzin ist extrem teuer – auch darauf sei zurückzuführen, daß Autos nicht geklaut werden. Nota bene: Wir haben keinen einzigen Verkehrsunfall gesehen! An den Ortseingängen gibt es übrigens "Kontrollposten“ der Polizei, wo alle Fahrzeuge kontrolliert werden (auch der Kofferraum).

 

Reiseeindrücke

 

Unsere Reiseleiter (Dirk und Braulio) und der Busfahrer Ronaldo

Die drei, die sich bisher nicht kannten, bildeten ein sehr gutes Team, was für die Bewältigung aufgetretener Schwierigkeiten auch sehr wichtig war; sie standen der Gruppe ganztägig uneingeschränkt zur Verfügung. Zwei- oder dreimal waren die drei längere Zeit mit dem Bus unterwegs, um ausreichend Trinkwasser für die Gruppe zu besorgen. Braulio, der Ökonomie an einer Militärakademie studiert hatte, war früher beim kubanischen Außenministerium beschäftigt und ist von 1988 bis 1992 auch in Bonn gewesen; seine Frau ist Sozialarbeiterin in Havanna. Bei Auftritten vor der Gruppe gab er sich systemloyal, hat sich aber im Zwiegespräch auch kritisch zu verschiedenen Seiten der Politik geäußert. Vor einigen Jahren ist er aus der KP ausgetreten („ohne weiteres möglich“). Mir vertraute er an, daß er die Übersiedlung nach Deutschland anstrebe. Interessant, daß sein Großvater vor vielen Jahrzehnten von Haiti nach Kuba gekommen ist, um auf den Zuckerrohrplantagen mehr zu verdienen. Ronaldo war ein ausgezeichneter, umsichtiger Fahrer, den wir sehr gelobt haben. Er stamme aus Holguin („wie auch Batista“), zeigte stolz Bilder seiner US-Karosse und seiner sehr hübschen elfjährigen Tochter

 

Die Gruppe

 

Wir waren 18 Personen, davon sieben aus den neuen Bundesländern (auch zwei Paare aus Chemnitz). Eine Vierergruppe im Alter von 30 Jahren kam aus der Wuppertaler Gegend, die übrigen waren 40 bis 55 Jahre alt, zwei über 60 (ich dabei der „Senior“ – wurde aber nicht thematisiert). Fünf waren in den letzten Jahren bereits auf Kuba gewesen (im Westen). Einer hatte die gleiche Tour im Vorjahr gemacht, hoffte auf ein Wiedersehen mit einer Frau, die er damals in Baracoa kennen gelernt hatte – war sehr enttäuscht, daß er sie nicht ausfindig machen konnte. Nur einer (Diabetiker) hat ab dem zweiten Fahrtag die Bus-Beförderung in Anspruch genommen.

Unsere Räder kubanischer Produktion – von vielen Kubanern sehr bestaunt -  waren insgesamt in einem ordentlichen Zustand, allerdings funktionierten die meisten Schaltungen nicht richtig. Unterwegs gab es wiederholt Pannen und Speichenbrüche, die umgehend in Ordnung gebracht wurden.

 

Unterbringung

 

Hinweis unseres dt. Reiseleiters Dirk:„Ihr müßt euch auf das Land einlassen!“ – nichts voraussetzen, flexibel sein! Die Hotels waren meist recht einfach, vieles funktionierte auch nicht (wiederholt kein oder nur minimale Wasserversorgung, oft auch klein Warmwasser; Stromausfälle). Das Personal war überwiegend recht freundlich, bekam auch entsprechend Trinkgeld (oder „Sachwerte“).

 

Essen und Trinken

 

Frühstück (viel Obst: v.a. Papaya, Grapefruit, Mango, Ananas; Omelett täglich – für Kalorienhaushalt wichtig; Müsli nur selten. Die zweite Tasse Kaffee mußte mitunter extra bezahlt werden.) und Mahlzeiten (meist Reis mit Schweine- oder Hühnerfleisch, öfter auch schmackhafter Fisch) in den Hotels waren recht ordentlich. Für Mahlzeiten in Restaurants (meist privat geführt) mußten 10 bis 18 CUC (Langusten!) bezahlt werden, was 50% des durchschnittlichen kubanischen Monatseinkommens entspricht! Da nicht vorgesehen war, daß wir über die Landeswährung verfügten, haben wir nur ausnahmsweise in örtlichen Läden/Marktständen einkaufen können (dort wurden CUC gern genommen, nicht Euro oder Dollar). Dosen kubanischen  Biers und örtlicher Cola gab es öfter zu kaufen (1 bis 2 CUC), kubanischen Wein selten  (in Restaurants 3 bis 10 CUC die Flasche), Rum überall (meist mehrere Sorten, von 3 bis 25 CUC die Flasche; beste Qualitäten nur „links“). Unsere Lieblingsgetränke waren (neben Bier): Cuba libre, Mojito, Caipirinha, Pina colada.

 

Das Wetter

 

Ende Oktober endet eigentlich die Regenzeit, doch haben wir auch starke Regenfälle erlebt, glücklicherweise meist nachts. Tagsüber meist zwischen 30 bis 40 Grad, bei Bewölkung geringfügig darunter, nach starken Regenfällen (einige Male erlebt) deutliche Abkühlung auf 20 Grad. Auch nachts meist 25 Grad, ebenso die Wassertemperatur (Karibik und Atlantik). Meine Regenjacke brauchte ich unterwegs kein einziges Mal auszupacken! Hurrikans suchen das Land alle paar Jahre heim (so 2003 und 2008), haben aber offenbar nicht so verheerende Auswirkungen wie in den USA.

Übrigens: Viele Kubanerinnen, auch auf dem Lande, schützen sich mit Schirmen vor der Sonne!

 

Die Landschaft

 

Wir sind durch sehr trockene Gebiete, v.a. im äußersten Südwesten (wenig Vegetation, fast nur Kakteen aller Art), oft auch durch immergrünen tropischen Regenwald gefahren. Im Osten Kubas fuhren wir an endlosen Zuckerrohrfeldern vorbei (die Pflanzen ca. 3 m hoch; die Ernte stand kurz bevor), Maniok- und Maisfelder, Reisfelder, Kokospalmen, die besonders schönen Königspalmen, Tabak- und Kaffeepflanzen (mehr davon im Westen).

 

Etappen

 

Wikinger-Prospekt: „Die Etappen verlaufen durch touristisch kaum erschlossene ländliche Gebiete...“ – stimmt genau. „Der Begleitbus ist immer dabei.“ – stimmt nicht ganz, da wir einige Wege gefahren sind, die von Autos nicht befahren werden konnten.

 

Tag 1: Flug Frankfurt-Havanna (Condor)

Vom Flugzeug  (Fensterplatz!) aus waren die Südspitze Grönlands, New York und Florida mit Key West bestens zu sehen. Abends Bummel durch die Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe, wie fast alle Altstädte der sieben bekanntesten kubanischen Städte) mit Dirk, sehr angenehme Atmosphäre, auch das Hotel und die Bar („Floridita“) besucht, in denen sich Hemingway bevorzugt aufgehalten hat (1939-1960). In unserem Hotel “La Plaza“ warteten Prostituierte auf Kundschaft, das war in anderen Hotels nicht der Fall (wohl aber in All-Inclusive-Anlagen – nach Einschätzung von Mitreisenden, die in früheren Jahren bereits auf Kuba waren, hat dies deutlich zugenommen).

 

Tag 2: Busfahrt Havanna - Sancta Clara – Sancti Spiritus

In Sancta Clara besuchten wir das Denkmal (und Museum) für Ché Guevara und seine „von der CIA ermordeten“ Kampfgefährten (auch die aus der DDR stammende „Nebenfrau“ Tanja, d.i. Tamara Bunke).

In der berühmten Holzkirche in Sancti Spiritus erzählte eine charmante Kirchenvertreterin vom Besuch Benedikts. Dirk drückte ihr danach etwas Trinkgeld in die Hand, das sie umgehend in den Opferstock warf – Kommentar von Dirk: Das habe er zum ersten Mal erlebt. Sancti Spiritus konnten wir ein Solidaritätskonzert für die „Kubanischen Fünf“ registrieren, das von ausnahmslos gut gekleideten älteren Damen besucht wurde. Über diese kubanischen Spione, die in den USA zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind (drei sind inzwischen freigelassen worden), um die sich die deutsch-kubanische Freundschaftsgesellschaft intensiv bemüht (ebenso vergleichbare Organisationen in anderen europäischen Ländern), haben unsere Reiseleiter kein Wort verloren. In einem daneben befindlichen Museum konnten wir extrem sexualisierte Bilder eines schwulen Künstlers besichtigen. Das war sehr erstaunlich, da Schwule bis kürzlich offiziell verfolgt bzw. diskriminiert worden sind.

 

Tag 3: Busfahrt S. Spiritus – Camaguey – Bayamo

Camaguey zeigte sich als eine sehr interessante Stadt, hier begann in den 1870er Jahren der Kampf gegen die Spanier (Ignacio Agramonte). Die Stadt war im 18. Jahrhundert wiederholt von Piraten („Captain Morgan“) geplündert worden; daraufhin haben die Einwohner die Straßen so angelegt, daß sich die Piraten nicht mehr orientieren konnten.

Sehr gut hat uns die „Kutschenstadt“ Bayamo (Pferdekutschen im Stil des 18/19. Jh. anstelle der sonst üblichen Fahrradtaxis) gefallen. Bis weit in die Nacht hinein wurde auf dem zentralen Platz musiziert, getanzt, gesungen – eine sehr schöne Erinnerung!

 

Tag 4: Fahrrad Bayamo – Yara - Manzanillo (Karibikküste!)

Am Vormittag ausführlicher Stadtspaziergang in Bayamo, mit Besuch des Wachsfigurenhauses (auch Hemingway). Im Hotel hielt sich eine Gruppe recht sympathischer texanischer Handwerker auf (im Alter von 50 bis 70 Jahren), die mit US-Kapital eine katholische Kirche rekonstruieren.

 

Tag 5: Fahrrad Manzanillo – Media Luna – Niquero

Längere Mittagspause – wg. großer Hitze - in Media Luna, wo gerade Karnevalsvorbereitungen begannen (vor allem mit viel Musik!); es wird vier Tage lang gefeiert. Unweit Niquero landete 1956 die von Mexiko kommende „Granma“ mit Fidel und 82 Gefährten – das Vorhaben war verraten worden, so daß die meisten bei der Landung erschossen wurden, beide Castros und auch Ché konnten in die Sierra Maistra fliehen. Dort erhielten sie in den folgenden Jahren immer mehr Zulauf. Eine wichtige Rolle spielten Frauen, die in ihrem Blumen-Kopfschmuck („Mariposa“, die Schmetterlingsblume, die nationale Blume des Landes) geheime Botschaften zu den Partisanen brachten.

 

Tag 6: Fahrrad/Bus Niquero – Pilón – Santiago de Cuba

Santiago, etwa eine Million Einwohner, war früher Hauptstadt und wird von vielen Kubanern als “heimliche Hauptstadt” Kubas betrachtet. Sie gilt als die „karibischste“ Stadt und zeichnet sich durch eine besonders bunte ethnische Struktur aus. Wir unternahmen einen längeren, sehr beeindruckenden Spaziergang durch die Altstadt: viel Musik, Künstler, Bars.... Vom Balkon des Rathauses verkündete Fidel Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution; daneben steht die Casa Velazquez, das älteste Haus Kubas (Museum)..

 

Tag 7: Bus/Fahrrad nach El Cobre – Nachmittag/Abend Santiago

Hinauf mit dem Bus, zurück mit dem Fahrrad. Die im 17. Jh. erbaute Wallfahrtskirche Caridad del Cobre erfreut sich bei vielen Kubanern großer Beliebtheit.

Dann zum nationalen Heldenfriedhof Santa Ifigenie mit beeindruckendem Ehrenmal für José Martí, dort findet auch stündlich eine martialische Wachablösung statt (wie früher an der Berliner Neuen Wache, mit preußischem Stechschritt). Abends Besuch der malerisch über Santiago gelegenen Festung El Morro, im 16. Jh. von den Spaniern gebaut, um die Zufahrt nach Santiago zu schützen.

 

Tag 8: Fahrrad Santiago – Baconao – Verraco

Am Vormittag kleine Stadtrundfahrt (am Bacardi-Haus vorbei), Besuch des Revolutionsplatzes, mit Denkmal für General Maceo, der 1896 im Kampf gegen die Spanier gefallen ist – das Denkmal hat Fidel Castro 1991 eingeweiht.

Außerhalb der Stadt dann per Fahrrad zum Strand, wo wir längere Mittagspause hatten . Ein Kubaner, der bis 1994 in Eisenach war, verkaufte uns Getränkedosen; „Black Picasso“ zeichnete mein Konterfei und schenkte es mir.

Dann mit Bus zum Strandhotel „Club Amigo“ ("All inclusive“!) – sehr große Anlage, wir konnten ins Meer! Am ersten Abend im Hotel Tanzvorführung (eher Modenschau). Am zweiten Abend Wasserballett.

 

Tag 9: Fahrradtour im Küstenbereich

Herrlicher Sandstrand bei Maguana, gebadet (trotz Seeigel-Warnung).

 

Tag 10: Bus über Sierra de Guantánamo nach Baracoa

Sehr bergiges Gelände, außerdem starker Regenfall, so daß wir im Bus bleiben mußten; Passieren des Passes „La Farola“. Von einem Aussichtsturm kann man Richtung Guantánamo Bay blicken, wobei allerdings nichts Konkretes zu erkennen ist. Ein örtlicher Führer zeigte Fotos von Baulichkeiten (nicht vom Gefängnis) und gab einige Erklärungen ab. Ca. 110 km ², 1902 (?) von den USA besetzt, 2000 ständige Bewohner, Schulen, Süßwassergewinnung. Seit 1960 halte sich dort kein einziger Kubaner mehr auf, dafür Gastarbeiter aus Jamaika und anderen Karibikgebieten. Der Anspruch der USA auf das Gebiet erlischt nur im Fall eines amerikanischen Verzichts.

Baracoa, wo Kolumbus gelandet ist, ist die älteste Kolonialstadt Lateinamerikas („ciudad primada“), seit 1963/64 („erstes Großprojekt Castros“) durch eine Straße mit dem übrigen Kuba verbunden. Sehr malerische, abends von Musik, Tanz und Rum bestimmte Kleinstadt. Vom Hotel zur Stadtmitte und zurück mit Fahrradrikscha 4 CUC/Person. Lt. Dirk eine der ärmsten Gegenden des Landes, deshalb besonders viele bettelnde Kinder (trotz Schulzeit!). Braulio erklärte beim Abendessen, es schäme sich deswegen und fragte empört: „Wo sind die Väter?!“

 

Tag 11: Fahrrad nach Boca de Yumuri, dort Bootsfahrt, mit Bus nach Baracoa

Malerische Küstenstraße, streckenweise von hohen Felsen überragt. Den Humboldt-Nationalpark (UNESCO-geschützt, im Uferbereich auch Seekühe) gestreift – ein grünes Paradies! Hohe Felsen auch über beiden Ufern der Boca de Yumuri. Dort hatten sich die letzten Eingeborenen versteckt, die sich nicht den Spaniern ergeben wollte – wurden brutal niedergemetzelt. Bootstour bis zu einer landwärts gelegenen  Insel, dort Erklärung vorkommender Kräuter (v.a. auch ihre Verwendung für Heilzwecke). Unterwegs haben wir – aus größerer Entfernung - einen organisierten Hundekampf erlebt; sei offiziell, ebenso wie Hahnenkampf, verboten..

 

Tag 12: Bus über Holguin nach Guardalavaca (Atlantik)

Vorbei am riesigen Nickelerzabbaugebiet, mit „völlig veralteter Technologie“ (40er Jahre). Inzwischen ist ein zweiter, umweltgerechterer Komplex mir kanadischer Hilfe errichtet worden.

 

Tag 13: nachmittags Bus zum Flughafen Holguin

Scharfe Paßkontrolle (ich – wie auch einige andere – wurde zunächst zurückgewiesen, konnte dann aber problemlos passieren), während das Gepäck oder etwa mitgeführte Devisen nicht interessierten.

 

Tag 14: Flug Holguin – Frankfurt (Condor)

 

Ein Nachtrag: Flugnachbar „Pedro“:

Eine große Bereicherung war für mich „Pedro“, der im Flugzeug den Platz neben mir einnahm. Es stellte sich heraus, daß er gut Deutsch sprach und 1980 in Leipzig geboren worden ist. Sein Vater war einer der zahlreichen Kubaner, die den Arbeitskräftemangel in der DDR lindern sollten (v.a. wohl in der Fahrzeugindustrie) – wir haben mehrere Kubaner getroffen, die ebenfalls einige Jahre in der DDR verbracht hatten (und die sich gern an diese Zeit erinnerten!). Pedro erhielt die DDR-Staatsangehörigkeit und nach der Wende die deutsche Staatsangehörigkeit. Seine Eltern siedelten Mitte der 90er Jahre nach Holguin/Kuba über, Pedro blieb in Leipzig, besuchte die Familie aber regelmäßig. Auch seine Frau und ein Kind wohnen in Holguin. Seit einem Jahr bemüht er sich um die Erlangung der kubanischen Staatsangehörigkeit („sehr kompliziert und teuer“, wie er versicherte), da er nach Kuba übersiedeln möchte. Da habe ich aber gestaunt! Seine Überlegung geht dahin, daß sich die politische und wirtschaftliche Situation Kubas innerhalb der nächsten Jahre radikal ändern werde – da wolle er dabei sein! Dabei stehen für ihn offensichtlich große Perspektiven für unternehmerische Aktivitäten im Vordergrund. Interessant waren seine Ausführungen zur Mentalität der Kubaner – nach seinen Worten sind sie durch das kommunistische System „verdorben“, keiner gönne dem anderen etwas. Nachbarn, denen der Wohlstand der Eltern und Pedros Familie ein Dorn im Auge sei, hätten ihn bei der Polizei angezeigt, da er angeblich mit Drogen handele. Daraufhin hätte es eine Polizei-Razzia im Elternhaus gegeben – ohne jegliches Resultat.

 

Ergänzung 1

Interessant war für mich ein kürzlich geführtes Telefonat mit einem früheren BML-Kollegen. Er war vor zwei Jahren mit seiner Frau und eigenen Fahrrädern ganz individuell auch im Osten Kubas unterwegs (mit minimalen Spanischkenntnissen). Sie haben – privat gewohnt und versorgt! - in drei Wochen keine größeren Probleme gehabt.

 

Ergänzung 2

Am 6. Dezember erschien im Bonner General-Anzeiger ein Artikel über Marita Lorenz „Die Spionin, die Castro liebte und leben ließ“: Sie hatte Anfang 1959  - als Neunzehnjährige – Castro in Kuba kennen und lieben gelernt, di dabei entstandene Schwangerschaft mußte abgebrochen werden. Kurz darauf habe die CIA sie angeheuert und beauftragt, Castro mit Gift umzubringen – diesen Auftrag habe sie aber nicht ausgeführt.

 

 

Bernd Knabe