letzte Revolution

 

 



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Die letzte Revolution Fidel Castros

Der Triumpf des bewaffneten Kampfes gegen den Diktator Batista brachte in Kuba im Januar des Jahres 1959 die bestimmende Persönlichkeit dieses Aufstandes, Fidel Castro, an die Macht. Es begann die kubanische Revolution unter Führung ihres „Maximo Lider“.

Im Rahmen dieser Revolution setzte Castro verschiedene weitere Revolutionen durch, begleitet durch eine alles erdrückende Propaganda und die Angst, Kritik an Maßnahmen zu üben, die der Maximo Lider als gut ermaß.

Dazu zählt u.a. die „Zuckerrohrernte der 10 Millionen“.  Unter dieser Losung sollten 10 Millionen Tonnen Zucker im Erntejahr 1970 produziert werden, was einer Verdopplung der Produktion des Jahres 1968 gleichkam. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die komplette restliche Ökonomie praktisch zum Erliegen gebracht. Alle Beschäftigten der Städte wurden einer massiven, monatelangen Mobilisierung auf das Land unterworfen, das Weihnachtsfest abgeschafft und alle Erholungsstätten geschlossen. Aber auch diese brachialen Maßnahmen erbrachten nicht das angestrebte Ergebnis.

Anfangs des jetzigen Jahrhunderts ordnete Fidel Castro die Schließung von ca. 50 % der bestehenden Zuckerfabriken und die Reduzierung um 40 % der für den Zuckerrohranbau genutzten Flächen an. Im Ergebnis dessen liegt die Zuckerproduktion, also eine der wichtigsten Exportquellen Kubas, auf dem Niveau, das vor hundert Jahren erreicht wurde und über 50 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche liegt brach. Ist das jetzt eine andere Revolution oder eine Konterrevolution?  

Eine weitere angemaßte ökonomische Großtat war das Vorhaben, mehr Rindfleisch und Milch als die Niederlande zu produzieren, indem man verschiedene Rinderrassen kreuzte. Im Ergebnis sank der Rinderbestand von 6 Millionen des Jahres 1959 auf 3 Millionen im Jahr 2011 und reduzierte sich die jährliche Milchproduktion im gleichen Zeitraum von 960 Millionen auf 461 Millionen Liter. Allerdings betrug die kubanische Bevölkerung  im Jahr 1959 ca. 6 Millionen Menschen und im Jahr 2011 etwa 11 Millionen.  _1/   

So könnte man weiter eine bunte Aufzählung von „Revolutionen“ anführen.  Vorliegender Artikel wird sich jedoch mit den Einzelheiten der letzten Revolution beschäftigen.

Im Mai des Jahres 2004 trat ein Schaden in einem der größten kubanischen Wärmekraftwerke auf, das dadurch mehrere Monate stillstand. Dieser Ausfall führte zu einer ernsten Krise in der Stromversorgung.  Die zuvor schon erheblich anfallenden Stromsperren traten noch häufiger auf. Als Lösung für die Energiekrise kündigte der „Maximo Lider“ im Jahr 2005 einen drastischen Wechsel sowohl in der Energieversorgung  als auch im Verbrauch an und nannte diesen „Energierevolution“.

Um vor allem den Verbrauch der Bevölkerung zu reduzieren, sollten energiefressende Haushaltsgeräte ersetzt werden. Zu diesem Zweck suchten Brigaden von Sozialarbeitern die Wohnungen auf, um die elektrischen Geräte zu inventarisieren und durch neue chinesische zu ersetzen. In Gegenwart der Bewohner wurden alle vorhandenen Glühbirnen zerstört und an ihrer Stelle Energiesparlampen von 18 W übergeben. Weiterhin wurden auch Ventilatoren, Kühlschränke, Röhrenfernseher und Klimaanlagen ersetzt. Ebenso sollten mit Propangas oder Petroleum funktionierende Kochstellen ausgetauscht werden. Als Erstes wurden die monatliche Zuteilung von Propangas auf zweimal pro Jahr verringert und der Verkauf von Petroleum verboten. Der Staat verkaufte den Familien elektrische Haushaltsgeräte, also eine Kochplatte, einen Reiskocher, einen Schnellkochtopf sowie einen Wasserkocher. Von den Verteidigern der energetischen Revolution schlecht zu erklären, ist allerdings der letztlich unwirtschaftliche Austausch von Kochern gegen elektrische Geräte.

Ersetzte Artikel

in Tausend

% des Ersatzes

Kühlschränke

2.550

96

Glühlampen           

9.470

100

Klimaanlagen

265   

88

Ventilatoren

1.043

100

Fernsehgeräte

   230

22

Schnellkochtöpfe

3.595

103

 Obwohl die ersetzten Sparlampen zuerst kostenlos übergeben wurden, konnten neue bei Bedarf nur noch in den Geschäften mit Devisen gekauft werden. Von den anderen Artikeln wurden nur die Ventilatoren kostenlos ausgetauscht. Alle anderen mussten bezahlt werden. Insgesamt kauften die Familien 4,6 Millionen Artikel für 9 Millionen kubanische Pesos. Dazu wurden Kredite mit einer 10-jährigen Laufzeit und 2% Zinsen/Jahr vergeben, sofern das monatliche Familieneinkommen 225 Pesos nicht überstieg. Bei Einkommen über diesem Wert fielen Zinssätze bis zu 6% jährlich an. _2/

Allerdings sah die Regulierung vor, nur funktionierende Kühlschränke auszutauschen. Dies führte absurderweise dazu, dass die Eigentümer zuerst das alte Gerät reparieren mussten, was dann verschrottet werden sollte. Für eingehändigte Geräte wurde keinerlei Entschädigung gezahlt. Die neuen Kühlschränke erhielten schon bald den Spitznamen „Lloviznazo“, was soviel wie „Tröpfler“ bedeutet, denn sie tauen ständig ab. Auch über alle anderen Artikel gab es Klagen, weil sie ständig kaputt gingen und nur mangelhaft repariert  wurden. Noch 2012 wurde in der offiziellen Zeitung „Granma“ angekündigt, dass Ersatzteile bald einträfen und damit die Reparaturservices stabilisiert würden. _3/

Nach offiziellen Informationen in der Presse besteht bei den Verbrauchern zurzeit eine hohe Kreditsäumigkeit.  Zweifelsohne spielt hierbei auch die schlechte Qualität der eingetauschten Haushaltsgeräte eine Rolle.

Ein weiteres Element zur Energieeinsparung in den privaten Haushalten war die Anhebung der Strompreise.  Bis 2004 zahlte ein Haushalt 0,20 Pesos pro kWh bei einem Verbrauch bis zu 300 kWh monatlich und darüber hinaus 0,30 Pesos/kWh. Im Jahr 2005 erhöhte sich der Preis stufenweise bereits ab 100 kWh/Monat bis zu 1,30 Pesos/kWh.

Die  kubanischen Familien zahlten im Jahr 2007 im Durchschnitt monatlich 79% mehr für Strom als im Jahr 2004. _2/ Als Begründung wird angeführt, dass die elektrische Energie in Kuba subventioniert wird. Dabei wird jedoch vergessen, dass es dieselbe subventionierende Regierung ist, die den Beschäftigten einen Hungerlohn bezahlt.

Im Jahr 2011 wurde der Strompreis für einen monatlichen Verbrauch über 300 kWh erneut erhöht wie in nachfolgender Tabelle gezeigt wird _4/.

Erhöhung der Strompreise im Vergleich des Jahres 2011 zu 2005

Verbrauch in kWh           

Pesos pro kWh

Pesos pro kWh

Erhöhung  in %

Monatlich         

2005

2011

 

301-350      

1,30

1,50

15,4

351-500

1,30

1,80

38,5

501-1000

1,30

2,00

53,8

1001-5000 

1,30

3,00

130,8

über 5000

1,30

5,00

284,6

Der zweite Aspekt zum Erreichen von Einsparung und höherer Energieeffizienz lag  in der Stromgenerierung. Der Lider Maximo kritisierte die Nutzung von Wärmekraftwerken und schlug sogar deren komplette Ablösung durch Stromerzeugungsaggregate vor. Diese letzten funktionieren durch Dieselmotoren und werden üblicherweise weltweit verwendet, um Engpässe in der Stromerzeugung  zu überbrücken oder auch in abgelegenen Gegenden mit fehlenden Stromtrassen. Castro bezeichnete die Technikerinnen und Techniker der staatlichen Stromversorgung als „dogmatische Strategen“ weil diese empfahlen, neue Wärmekraftwerke zu kaufen und die bestehenden zu modernisieren. _4/

Zum Glück für das Land wurden die Wärmekraftwerke nicht ersetzt. Auch mit ihrer niedrigen Effizienz sind sie doch die Basis für die Stromproduktion in Kuba. Sie werden mit Erdöl aus nationaler Förderung betrieben, welches bedingt durch seine hohe Viskosität weder auf den internationalen Märkten Absatz findet noch in Kuba selbst raffiniert werden kann. Außerdem wären für ihre Ablösung riesige Investitionssummen erforderlich. Seit dem Jahr 2004 wurden 52.292 Stromerzeugungsaggregate im Wert von 1.329,2 Millionen Dollar  importiert _2/.

Erzeugung von Elektroenergie  nach Herstellungsweise in GigaWh_5/

 

 

 

Stromerzeugungsaggregate 

Jahr

Wärmekraftwerke

Im Stromnetz

    Isoliert

2004

12.335,6

-

178,6

2011

11.112,7

3.594,8

64,3

 Das wichtigste Ziel der energetischen Revolution bestand in der Stromeinsparung. Jedoch ist seit dem Jahr 2011 ein Anstieg des Verbrauchs um 13,6 % im Vergleich zum Jahr 2004 zu verzeichnen, wobei sich der Verbrauch nur in den Privathaushalten um 72,3 %  erhöht hat. Im Vergleich zum Gesamtenergieaufkommen sind im Jahr 2004 Verluste in Höhe von 16,1 % und im Jahr 2011 in Höhe von 15,8 % aufgetreten.

Elektroenergieverbrauch (GigaWattstunden) _6/

Jahr                           Gesamt                    Bevölkerung          Energieverluste                2004                         15.633,7                  3.990,5                    2.514,6                                 2011                        17.754,1                        6.877,6                    2.797,4

Steigerung in %         13,6                           72,3          

Zweifelsohne benötigte Kuba eine höhere Energieproduktion. Die Lösung dafür sollte jedoch besser aufgrund einer technisch-ökonomischen Analyse gesucht werden als durch  die Wünsche eines „Erleuchteten“. Die Gesellschaft insgesamt sollte in ein Projekt des gemeinsamen Nutzens eingebunden werden. Die Last jedoch nur auf die Bevölkerung in Form von enormen Preissteigerungen zu legen sowie der erzwungene Austausch von Elektroartikeln durch solche mit miserabler Qualität, kann allerdings nur in einem Staat geschehen, in dem die Bürger über keinerlei Verteidigungsmittel verfügen.

 Emilio Hernandez

Quellenverzeichnis:

_1/ Roberto Álvarez Quiñones, “¿Y mi vaso de leche, qué?”http://www.diariodecuba.com/cuba/1338978434_1012.html

_2/ Dieter Seifried; “La revolución energética cubana” http://www.oe2.de/fileadmin/user_upload/download/Energierevolution_Cuba_es.pdf

_3/ Piezas de repuesto para programa de ahorro energético http://llonmeca.blogspot.de/2012/05/piezas-de-repuesto-para-programa-de.html_4/ Cuba aumenta tarifas eléctricas para la población http://cafefuerte.com/cuba/economia-y-negocios/655-cuba-aumenta-tarifas-electricas-para-la-poblacion/_5/ Pablo Alfonso;”El hombre que dejó sin energía a Cuba” http://www.cubademocraciayvida.org/web/print.asp?artID=1849

_6/ Oficina nacional de Estadísticas http://www.one.cu/